Kissing Spines beim Pferd

Nicht mehr reiten wegen Kissing Spines? Das muss nicht sein! Sanftes Aufbautraining und Kristallkraft Move bringt Dein Pferd wieder in Schwung.

Als Kissing Spines, zu deutsch „Küssende Wirbel" oder auch THS (Thorakales Interspinales Syndrom) bezeichnet man eine Veränderung an den Dornfortsätzen der Wirbelsäule. Diese können sich berühren, verwachsen oder sich überlappen.

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Kissing Spines beim Pferd sind eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen. Es ist jedoch, wie oft angenommen, keine Krankheit, die ausschließlich vom Reiten kommt, sondern die Veranlagung oder Veränderung der Wirbelsäule ist bereits von Geburt an vorhanden. Nachgewiesen wurden sie bereits bei dem vor ca. 40 000 Jahren lebenden Equus occidentalis (Klide), der noch nicht vom Menschen genutzt wurde. Reiten mit weggedrücktem Rücken oder "zu früh- zu viel" kann die Bildung von Kissing Spines fördern.

Kissing Spines beim Pferd werden nach Petersson in 3 unterschiedlichen Schweregrade eingeteilt: ¹

Grad I

Verkleinerte Zwischenräume zwischen 2 oder mehreren Dornfortsätzen beim Pferd mit geringgradiger Sklerosierung der Corticalisränder

Grad II

Zwei oder mehr sich berührende Dornfortsätze mit mittelgradiger Sklerosierung der Corticalisränder; sowie teilweise röntgenologische Aufhellungen

Grad III

Zwei oder mehr berührende und überlappende Dornfortsätze mit Sklerosierung der Corticalisränder und/ oder osteolytische Zonen (zystoide Defekte)

Welche Symptme für Kissing Spines gibt es?

Kissing Spines beim Pferd können sich sehr vielschichtig äußern. Folgende Symptome für Kissing Spines können auftreten, müssen jedoch kein untrügliches Anzeichen sein. Beobachtet man jedoch mehrere dieser Anzeichen bei seinem Pferd, ist es empfehlenswert, das Pferd einem Tierarzt vorzustellen.

  • Empfindlichkeit beim Putzen/Abtasten des Rückens
  • Durchdrücken des Rückens beim Aufsteigen/Anreiten
  • verminderte Rückenmuskulatur 
  • Sattel- und/oder Gurtzwang 
  • Arbeitsunlust 
  • Taktfehler
  •  schief getragener oder eingeklemmter Schweif
  • Rittigkeitsprobleme 
  • häufiges Umspringen in den Kreuzgalopp 
  • schwungloser Gang 
  • eingeschränkte Hinterhandaktivität 
  • allgemeine Widersetzlichkeiten, Widersetzlichkeit in der Versammlung und/oder beim Rückwärtsrichten 
  • Springen ohne Rücken 
  • Verweigern vor dem Sprung
  • Wegrennen bei bestimmten Lektionen 
  • Unwilligkeit beim Beschlagen, Schwierigkeiten beim Urin- und Kotabsatz 
  • Widerwille, sich in der Box zu legen oder sich zu wälzen 
  • Zügellahm 
  • Übergänge nicht fließend 
  • keine konstante Anlehnung 
  • Verhaltensveränderungen (beißen und treten, lassen sich schlecht einfangen)
Kissing Spines Grad 2

Kissing Spines Grad 2

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei Kissing Spines beim Pferd?

In den meisten Fällen werden verschiedene Behandlungsmethoden miteinander kombiniert. Je nach Schweregrad und Schmerzempfinden des Pferdes kann die Behandlung in der ersten Zeit mit entzündungshemmenden Medikamenten oder Heilkräutern unterstützt werden. Zusätzlich können paramedizinischen Behandlungsmethoden wie Chiropraxis, Akupunktur, Physiotherapie (Wärme, Schwimmtraining, Elektrostimulation) oder Homöopathie zum Einsatz kommen.

In seltenen Fällen kann eine chirugische Behandlung durchgeführt werden. Dies ist aber das letzte Mittel der Wahl, weil oft nicht nur die Dornfortsätze beim Pferd betroffen sind, sondern auch die Gelenkfortsätze am Wirbelkörper. In vielen Fällen kann auch eine Unterstützung durch Ergänzungsfuttermittel, welche vorrangig Glukosamin, Chondroitin, Hyaluronsäure und MSM enthalten, sinnvoll sein. Optimale Gelenknahrung bietet Kristallkraft Move durch seinen hohen Gehalt an natürlichen Inhaltsstoffen für die Gelenke. Die Versorgung mit hochwertigen essenziellen Aminosäuren, Vitamin E und Selen ist für Pferde mit dem Kissing Spines Syndrom zudem sehr wichtig.

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Bedeuten Kissing Spines beim Pferd automatisch Unreitbarkeit?

Laut verschiedener Studien, unter anderem von Frau Matilda Holmer 2), haben viele Pferde röntgenologische Abweichungen an den Dornfortsätzen der Wirbelsäule. In dieser Studie waren es 91,5 % der Pferde, lediglich 8,5 % wiesen keine Veränderungen auf. Diese kamen alle aus der Gruppe der 3 bis 7jährigen Pferde.

Diese Studie zeigt, dass Kissing Spines beim Pferd zwar eine erkennbare Veränderung an der Wirbelsäule darstellt, aber oft nichts mit der Diagnose Rückenschmerzen zu tun hat. Es sind also oft nicht die Veränderungen an der Wirbelsäule, sondern viel mehr die kleineren Strukturen, wie Bänder, Faszien, Muskeln etc., die die Probleme verursachen und die schließlich dazu führen, dass der Rücken geröntgt und die Diagnose gestellt wird. Häufig werden Verspannungen, die durch schmerzhafte Gliedmaßenerkrankungen oder fehlerhafte reiterliche Einwirkung entstehen, als Rückenerkrankung fehlinterpretiert.

Reitbar oder nicht?

Reitbar oder nicht?

Was tun, wenn die Diagnose Kissing Spines beim Pferd da ist?

Früher war die Diagnose Kissing Spines beim Pferd gleichbedeutend mit Unreitbarkeit. Da man aber heutzutage weiß, dass das Krankheitsbild oft tatsächlich eher Rückenschmerzen heißt, kann man eben auch genau die Symptome behandeln, die auftreten. Vorrangig sind also die Rückenschmerzen zu beheben.
Dies kann mit speziellem Rückenaufbautraining geschehen.


Dazu gehören:

  • Longieren über den Rücken (in Dehnungshaltung) 
  • Stangenarbeit
Roncalli vor der Diagnose

Roncalli vor der Diagnose

Erst, wenn genügend Rückenmuskeln aufgebaut worden sind, kann wieder mit dem Reiten begonnen werden. Zunächst sollte die Zeit des Reitens kurzgehalten werden, um die Muskulatur nicht zu überfordern. Außerdem ist es wichtig, dass die Pferde in einer korrekten Dehnungshaltung geritten werden, damit die Rückenmuskeln entspannen können und die Zwischenwirbelmuskeln die Wirbel auseinanderziehen können. Erst nach und nach kann man beginnen, das Pferd in die Versammlung zu reiten. Auch hierbei sollte jederzeit ein Entlassen in die Dehnung und Entspannung möglich sein. Wichtig für diese Pferde sind ein immer korrekt passender Sattel und korrekte Hufbearbeitung. Beides kann ansonsten sehr schnell zu Verspannungen im Rückenbereich führen.

Beispiel des Verlaufes einer Behandlung und Entwicklung nach der Diagnose "Kissing Spines": 

Roncalli ist ein 2003 geborener Oldenburger Wallach, der in der Vielseitigkeit auf A- Niveau und im Distanzsport auf Strecken bis 82km Tagesstrecke und 142km Mehrtagesritt erfolgreich unterwegs war.

2015 fing es an mit leichten, unklaren Lahmheiten an. Diese verschwanden wieder von selbst, ohne dass eine Ursache zu finden war. Mitte 2016 wurde der Sattel neu angepasst vom Sattler. Dieser stellte ihn jedoch zu eng ein und polsterte zu hart. Dies führte dazu, dass Roncalli begann, klemmig zu laufen, unvermittelt stoppte oder sich komplett verweigerte. Dies war zunächst nur im Galopp der Fall, später auch im Trab.

Richtig auffällig wurde es bei einem 3-tägigen Reitkurs, wo am dritten Tag nichts mehr ging. Danach wurde Ursachenforschung betrieben. Es wurde ein anderer Sattler geholt und Roncalli wurde von einer Osteopathin durchgecheckt. Zusätzlich wurde er zunächst nur longiert, da er dabei völlig unauffällig und beschwerdefrei lief. Als auch dies keinen durchhaltenden Erfolg brachte, wurde eine Tierärztin zur Rate gezogen und der Rücken geröntgt.

2017 kam dann die Diagnose: Kissing Spines, welche aber bereits länger vorher vorhanden gewesen sein müssen.

Behandlung und Trainingsplan bei Kissing Spines beim Roncalli:

Die Tierärztin verordnete zunächst Ruhe. Auf Medikamentengabe wurde verzichtet und die Prognose war eher positiv.
Zunächst wurde nur longiert, um die Rückenmuskulatur zu kräftigen und aufzubauen. Zur Unterstützung dienten auch Stangenarbeit und Arbeit an der Hand.

Ein erstes Reiten fand nach 3-4 Monaten und nur sporadisch statt, da er immer noch nicht richtig gut lief. Nach ca. 1 Jahr und einem Stallwechsel bekam Roncalli doch noch einen Entzündungshemmer. Dieser brachte den Durchbruch. Zwar brauchte Roncalli immer noch eine längere Aufwärmphase, aber es wurde merklich besser. Zurzeit wird er viel im Gelände über den Rücken geritten und ist dabei auch sehr motiviert. Auch bei der Platzarbeit wird es immer besser.

Obwohl Roncalli immer in einem Offenstall gehalten wurde (egal ob Aktivstall, Paddock-Trail oder normaler Offenstall), brachte ein erneuter Stallwechsel dieses Jahr (2020) viel mehr Ruhe und Gelassenheit ins Pferd, so dass sich die komplette Muskulatur noch mehr entspannen konnte.

Roncalli nach dem die Rückenmuskulatur
Roncalli, nachdem die Rückenmuskulatur wieder aufgebaut war

Fazit:

Kissing Spines gehören zu den häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen beim Pferd. Es handelt sich jedoch nicht um eine Erkrankung, die allein vom Reiten kommt, sondern um eine genetisch bedingte Prädisposition der Wirbelsäule, die zu diesen Wirbelveränderungen führt. Viele Pferde kommen gut und ohne Schmerzen klar. Wenn das Pferd jedoch Symptome zeigt, die auf Rückenschmerzen hinweisen, sollte schnell die Ursache geklärt werden, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Häufig hilft es, über den Aufbau der Rückenmuskulatur das Pferd wieder schmerzfrei und stabil zu bekommen. Nur in schwerwiegenden Fällen bedeuten Kissing Spines wirklich Unreitbarkeit. Parallel zum Aufbautraining kann das Pferd sinnvoll über die Fütterung von Kristallkraft Move unterstützt werden.

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Quellen:

  •  Verein östereichischer Pferdetierärzte „Kissing Spines – Symptome, Diagnose und Therapie“
  • Matilda Holmer (Doktorarbeit „Röntgenbefunde an den Dornfortsätzen klinisch rückengesunder Warmblutpferde“) aus dem Jahr 2005 an Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
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